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Fallbeispiel: Homöopathie bei Post-Zoster-Neuralgie


Schmerzen, die wie Feuer brennen
(Bildquelle: Hans Braxmeier auf Pixabay)

Post-Zoster-Schmerzen können Patienten zum Wahnsinn treiben. Man geht davon aus, dass diese Schmerzen von einer anhaltenden Nervenschädigung herrühren, die als Folge einer Gürtelrose (Herpes zoster) auftritt. Rund 10-15 Prozent aller Gürtelrose-Patienten leiden darunter, bei älteren Patienten steigt der Anteil auf etwa 70%. Manche Patienten sind dauerhaft mit diesem Schmerz geplagt.

Diese Post-Zoster-Neuralgie gilt schulmedizinisch als schwierig behandelbar bis unheilbar. Lediglich eine Schmerzlinderung durch Schmerzmittel und niedrig dosierte Antidepressiva und Antikonvulsiva soll möglich sein, um wenigstens einen erträglichen Zustand zu erreichen. Behandelnde Ärzte sollten dabei sorgfältig zwischen zumutbaren Nervenschmerzen und dem Risiko von Nebenwirkungen dieser Medikamente abwägen. Die Post-Zoster-Neuralgie kann für Patienten überaus belastend sein: Dauerhafte Schmerzen oder Schmerzattacken können sogar so quälend sein, dass sie den Patienten in den Selbstmord treiben.

 

Ein heikler Fall

Der Fall, von dem ich hier berichten möchte, war für mich eine Herausforderung. Und zwar nicht nur wegen des Rufes der Post-Zoster-Neuralgie, unheilbar zu sein. Nein, das Schwierige für mich war: Der Patient war bei mir schon vor einigen Jahren wegen einer anderen Erkrankung in Behandlung und ich hatte ihm damals nicht helfen können. Die Konstitutionsbehandlung, die ich damals bei ihm durchgeführt hatte, war erfolglos geblieben. Ich hatte das passende Arzneimittel für ihn nicht einfach nicht finden können. Wieder eine Konstitutionsbehandlung durchzuführen war also diesmal sicher keine erfolgversprechende Behandlungsstrategie. Das erneute Vertrauen des Patienten freute mich, und dieses Vertrauen wollte ich keinesfalls enttäuschen!

 

Nervenschmerzen seit Monaten

Nun sitzt der Patient also wieder vor mir, es ist Mitte September. Der Mann ist um die 50. Er erzählt mir, was in den letzten Monaten geschehen war: Er hatte Ende Februar einen Schnupfen, der von leichten, punktuell auftretenden, stechenden Schmerzen seitlich am Brustkorb begleitet war. Die Schmerzen hatten immer wieder den Ort gewechselt. Dazu waren einzelne Bläschen und leichtes Fieber aufgetreten. Nach einer Woche war er dann zum Arzt gegangen, der eine Gürtelrose (Herpes zoster) diagnostiziert hatte. Der Arzt verordnete ein Virostatikum, dazu das Antikonvulsivum Pregabalin und ein Schmerzmittel. Noch bevor der Patient mit der Einnahme der Medikamente begonnen hatte, hatte sich der Schmerz innerhalb eines Tages einem Stechen in ein anfallsartiges, oberflächliches Hautbrennen verwandelt, das jeweils einige Minuten andauerte. Der Schmerz war deutlich stärker geworden.

Seitdem, also seit Anfang März, nimmt der Patient nun dreimal täglich die Medikamente ein. Die Gürtelrose selbst ist schon lange vorbei, aber die Schmerzen blieben. Also eine Post-Zoster-Neuralgie.

Die Medikamente helfen zwar gegen die Schmerzen, allerdings hält die Wirkung nicht lange an. Der Patient kann sich sozusagen immer gerade so von Einnahme zu Einnahme retten, der Schmerz nimmt kurz vor der Einnahme der Medikamente wieder zu und wird dann sehr belastend. Eine häufigere Einnahme der Medikamente kommt wegen der Nebenwirkungen nicht infrage. Gerade Pregabalin kann neben Magen-Darm-Störungen auch eine ganze Menge an Störungen an Psyche und Nervensystem sowie im Atemtrakt und im Blutkreislauf verursachen.

 

Wie so oft: Der Stress ist schuld

Ich bitte den Patienten, mir den Schmerz genauer zu beschreiben: Den Schmerz empfindet der er als dumpf (solange die Medikamente wirken) bis brennend (sobald die Medikamente nachlassen). Der Schmerz tritt hauptsächlich am Rücken auf, wechselt aber den Ort. Die Haut ist empfindlich und schmerzt beim Darüberstreichen. Er hat hin und wieder das Gefühl eines Insekts auf der Haut. Nachts sind die Schmerzen weniger stark. Sonst gibt es keine Umstände, die den Schmerz positiv oder negativ beeinflussen.

Außerdem hat er immer einen leichten Schnupfen, die Nase fühlt sich verstopft an und läuft ständig ein bisschen. Seine Fingergelenke fühlen sich morgens steif und etwas schmerzhaft an. Das gibt sich aber, wenn er sich eine Weile bewegt hat.

Schon das Auftauchen der Gürtelrose, dazu noch mit Schnupfen, deutet darauf hin: Das Immunsystem des Patienten ist nicht in bester Verfassung. Das zeigt sich bei ihm auch in häufigen Erkältungen. Oft liegt das an zu viel Stress, und so ist es auch bei diesem Patienten: Er verspürt in der Arbeit ständig großen Druck und leidet darunter, schon viele Jahre lang. Zusätzlich gab es drei Tage vor Ausbruch der Gürtelrose sowohl in der Arbeit als auch privat zwei außergewöhnliche Belastungen. Das gab dem Immunsystem wohl den Rest und die Gürtelrose konnte sich entwickeln.

 

Behandlungsstrategie

Welche Behandlungsstrategie wähle ich nun? Eine Konstitutionsbehandlung versuche ich nicht noch einmal, da ich wie eingangs beschrieben schon in der ersten Behandlungsphase vor Jahren kein geeignetes Konstitutionsmittel gefunden hatte. Soll ich die immer noch vorhandenen Beschwerden, die ich damals erfolglos behandelt hatte, für diesen Fall berücksichtigen? Ich entscheide mich dagegen. Ich sehe den Fall so: Anhaltende Stressbelastung hat bei diesem Patienten zu einer Immunschwäche geführt, die sich unter anderem als starke Erkältungsanfälligkeit (Dauerschnupfen, immer wieder Erkältungen), vor allem aber in einer Gürtelrose äußerte Das eigentlich Problematische ist aber nun die daraus folgende Nervenschädigung, die das Stechen und Brennen verursacht. Auf dieses Problem konzentriere ich mich nun.

 

Ich verordne also ein homöopathisches Arzneimittel (Potenz C30), das die Neuralgie (Post-Zoster) und ihre Entstehung (Gürtelrose) abdeckt. Ich vereinbare mit dem Patienten, dass er das Mittel in Wasser aufgelöst drei Tage lang einnehmen soll und wir in einer Woche wieder miteinander telefonieren.

Die Schmerzen verändern sich

Was mir der Patient eine Woche später erzählt, zeigt, dass Bewegung in den Fall kommt: Er hat das homöopathische Medikament wie vereinbart eingenommen und gleichzeitig das Pregabalin reduziert. Die neuralgischen Schmerzen treten noch auf, aber nicht mehr so oft und auch nicht mehr so schlimm. Allerdings entstand nach einigen Tagen ein starkes Brennen an den Fußsohlen, wie eine brennende Hitze. Grundsätzlich muss es kein schlechtes Zeichen sein, wenn Beschwerden nach unten wandern. Allerdings waren diese so stark, dass er mehrere Schmerzmittel einnehmen musste, bis diese Schmerzen verschwanden. Dafür entstanden dann stechende Schmerzen in den Achillessehnen, wie nach einer sportlichen Überlastung. Die Füße fühlten sich wie geschwollen an. Aber auch das verschwand, diesmal ohne Schmerzmittel. Es blieb allerdings immer noch noch ein leichter, stechender Schmerz zurück.

So ganz zufrieden sind wir damit beide noch nicht, auch weil der Patient berichtet, dass er kurz vor der ersten Einnahme Magenschmerzen bekommen hatte, die immer noch anhalten. Möglicherweise gehen diese Magenschmerzen auf das Konto der vielen Schmerzmittel und des Pregabalins. Doch warum kamen die erst jetzt, wo er doch diese Medikamente schon monatelang eingenommen hatte? Oder war doch der massive Stress schuld? Sein Arzt hat ihn nun wegen der Magenschmerzen krankgeschrieben.

Ich beschliesse, noch das Wochenende abzuwarten, um zu sehen, ob sich das Symptomenbild weiter klärt.

Das Brennen weist den Weg

Am Montag erzählt der Patient, dass das Brennen in den Fußsohlen wieder da ist. Nicht so schlimm wie früher, aber doch so stark, dass er wieder Schmerzmittel braucht. Dadurch, dass das Brennen nun so im Vordergrund steht, ist mir klar, welches Arzneimittel er braucht. Wir wechseln also auf dieses Arzneimittel, das er wieder in Wasser auflösen und drei Tage lang einnehmen soll.

 

Mission erfüllt: Post-Zoster geheilt

Eine Woche später, mittlerweile haben wir Anfang Oktober: Der Patient hat das Pregabalin ganz abgesetzt und ist selbst ganz erstaunt: Er hat am Rücken keine drückenden oder brennenden Schmerzen mehr und auch die brennenden Schmerzen an der Fußsohle sind weg. Die Post-Zoster-Neuralgie ist also verschwunden!

Fazit: Unter der homöopathischen Behandlung ist innerhalb von nicht einmal vier Wochen eine bereits seit mehreren Monaten bestehende Post-Zoster-Neuralgie abgeheilt.

Nachtrag: Die Magenschmerzen sind leider mit diesem letzten Arzneimittel nicht verschwunden. Der Patient befindet sich deswegen noch in Behandlung.

 


Mini-Portrait Markus Dankesreiter

Autor: Markus Dankesreiter, Heilpraktiker in Regensburg.

Spezialisiert auf Klassische Homöopathie, Genuine Homöopathie, Predictive Homoeopathy.

SHZ-akkreditierte Ausbildung in Homöopathie.
Praxiserfahrung seit 2012.

Abgeschlossenes Studium der Physik (Diplom).


Hinweis: Dieser Fallbericht gibt meine eigene reale Erfahrung wieder und stellt keine allgemeine Therapieempfehlung dar. In der Wissenschaft ist Homöopathie bisher nicht als wirksame Therapie anerkannt. Bitte hier weiterlesen...