Globuli zum Kaffee


(Quelle: Pixabay)
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Ich sitze in einem Café im Freien, um ein bisschen zu entspannen. Neben mich setzt sich ein Mann, etwa um die 60. Ich wundere mich, dass die Bedienung ihm seine Tasse Kaffee an den Tisch bringt, obwohl hier sonst Selbstbedienung ist. Nach einer Weile verstehe ich es: der Mann zittert beim Führen der Tasse sehr stark. Er hat Parkinson.
 
Nach einer Weile nimmt er ein Fläschchen mit Globuli heraus.

Ich kann nicht erkennen, welches Arzneimittel es ist, das Etikett zeigt zur anderen Seite. Er schüttet sich ein paar Globuli auf die Hand, kippt sie in den Mund und spült sie mit einem Schluck Kaffee hinunter. Globuli runterspülen! Mit Kaffee! Mein Homöopathen-Herz stockt fast, dann muss ich lachen, denn so eine Globuli-Einnahme habe ich noch nicht gesehen.

 

Aber so haben wir es bei den Medikamenten gelernt: die Tabletten direkt vor, zu oder nach der Mahlzeit schlucken, am besten mit viel Flüssigkeit. 
 
Nur bei der Homöopathie ist es eben nicht so: Die Globuli sollen im Mund zergehen, damit sie möglichst lange mit der Mundschleimhaut Kontakt haben. Für eine Weile vor und nach der Einnahme (ich sage meinen Patienten sicherheitshalber: 30 min vor und nach der Einnahme) sollte nichts anderes in den Mund kommen, damit die Aufnahme über die Schleimhaut nicht behindert wird und kein anderer Reiz gesetzt wird. Auf Kaffee müssen meine Patienten zumindest am Tag der Einnahme verzichten, bei einer Empfindlichkeit auf Koffein sogar komplett. (Entkoffeinierter Kaffee und Schwarztee in Maßen ist nach meiner Erfahrung kein Problem, Malzkaffee sowieso nicht.)
 
Ich würde das alles dem Parkinson-Mann gerne erklären, aber er sieht so aus, als ob er seine Ruhe haben wollte. Er steht auf und geht. So, wie er sie einnimmt, glaube ich nicht, dass ihm diese Globuli helfen. 
 
Schade, vielleicht wäre das ja eigentlich ein richtig gutes Mittel für ihn.