Kann man sich parallel schulmedizinisch und homöopathisch behandeln lassen?


(Bildquelle: Pixabay)
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Ja, das ist möglich. In meiner Praxis kommt dies sogar relativ häufig vor: Patienten befinden sich bereits seit einer Weile in konventioneller Behandlung und wollen noch parallel dazu eine homöopathische Behandlung.

 

Das hat Vorteile: So ist die schulmedizinische Diagnostik auch für den Homöopathen hilfreich, denn sie liefert "harte Fakten" in Form von Untersuchungs-ergebnissen und Laborberichten. Zudem bieten konventionelle Medikamente gerade bei sehr belastenden oder krisenhaften Erkrankungen die Möglichkeit, die Symptome erst mal in den Griff zu bekommen und sich so für die Suche nach dem passenden homöopathischen Arzneimittel Zeit zu verschaffen.

Meiner Erfahrung nach können konventionelle Medikamente überflüssig werden oder zumindest reduziert werden, sobald die homöopathische Behandlung anschlägt. Ein Verringern der Medikamenten-Dosis sollte aber immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden und niemals eigenmächtig geschehen. Ich erlebe dabei in den meisten Fällen eine gute Zusammenarbeit mit Ärzten, mindestens aber akzeptieren sie die gleichzeitige homöopathische Behandlung und lassen sich auf eine Verringerung der Medikamenten-Dosis ein, sofern das aus ihrer Sicht vertretbar ist. Den "Krieg" zwischen Schulmedizin und Homöopathie sehe ich hauptsächlich in den Medien. In der Praxis wollen alle Therapeuten, dass es den Patienten besser geht.
Ein kleines Beispiel: Eine Patientin war wegen wiederkehrender Bluthochdruckkrisen in schulmedizinischer Behandlung. Die Blutdrucksenker, die sie bekam, senkten zwar ihren generell zu hohen Blutdruck, konnten aber die Krisen nicht verhindern. So kam sie parallel zu mir in Behandlung und bekam ein Homöopathikum, in dessen Folge die Bluthochdruckkrisen deutlich nachließen. Die konventionelle Medikation blieb noch eine Weile unverändert, bis wir sicher sein konnten, dass keine Krisen mehr auftraten. Gemeinsam mit ihrem Arzt reduzierte sie dann die Dosis der Blutdrucksenker, ihr Zustand blieb stabil.
Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass eine parallele schulmedizinische Behandlung auch gewisse Schwierigkeiten für die homöopathische Behandlung mit sich bringen kann:
  1. Viele Medikamente wie z.B. Cortison, Antidepressiva, Schilddrüsenhormone und die Pille verdecken die wahre Symptomatik - was natürlich ihr Sinn ist, denn man nimmt sie ja, um diese Symptome loszuwerden. Ihr Homöopath ist aber für die Suche nach dem passenden homöopathischen Arzneimittel darauf angewiesen, dass er sich über Ihre "echten" Symptome ein Bild von den Reaktionen Ihres Körpers machen kann. Das durch Medikamente "geschönte" Symptomenbild ist dafür nur mehr bedingt geeignet. Umso wichtiger wird also die Schilderung aus Ihrer Erinnerung an die schlimmste Phase Ihrer Krankheit, die Sie durchgemacht haben, bevor Sie mit der Einnahme der Medikamente begannen. Je detaillierter und realistischer Sie sich erinnern, umso hilfreicher ist dies für Ihren Homöopathen.
  2. Konventionelle Medikamente können die Reaktionsfähigkeit des Körpers beeinträchtigen. D.h. es kann länger dauern, bis der Organismus auf das Homöopathikum reagiert, was es auch schwieriger macht, die Wirkung des Homöopathikums zu beurteilen. Hier muss sowohl der Patient als auch der Homöopath Geduld haben. Ein erfahrener Homöopath kann aber damit umgehen.
  3. In manchen Fällen kann ein konventionelles Medikament die Wirkung des Homöopathikums verhindern. Dieses Problem tritt z.B. in Fällen auf, in denen die homöopathische Behandlung auf eine Heilung der Haut abzielt, während gleichzeitig mit Cortison oder Zinksalbe eine Selbstregulation der Haut unterdrückt wird. Hier kann es sinnvoll sein, in Absprache mit dem behandelnden Arzt von unterdrückenden Medikamenten auf lindernde Medikamente umzusteigen, etwa von Cortison auf Anwendungen, die lediglich den Juckreiz reduzieren.
Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie Ihrem Homöopathen parallel durchgeführte schulmedizinische Therapien sowie die Medikamente nennen, die Sie einnehmen, damit er dies in der homöopathischen Behandlung berücksichtigen kann. Ein "Entweder/Oder" gibt es nicht, Homöopathie und Schulmedizin lassen sich gut verbinden.