Meine Behandlungsphilosophie

Unser Körper ist ein Wunderwerk
Wer sich mit Medizin intensiv befasst hat, der weiß: Unser Körper ist ein Wunderwerk. Es laufen darin ständig unzählige Vorgänge ab, die wir nicht bewusst wahrnehmen: es werden Gewebe repariert; Eindringlinge unschädlich gemacht; Nahrungsmittel in ihre Bestandteile zerlegt und an ihren Bestimmungsort gebracht oder ausgeschieden; Hormonmengen gemessen und reguliert; die Herzfrequenz an die momentane Belastung angepasst - das sind nur ein paar Beispiele dafür, dass unser Körper sich ständig an die Gegebenheiten anpasst und dabei Meisterleistungen vollbringt, die keine Maschine in dieser Menge und Komplexität bewerkstelligen kann. Wie alle Lebewesen sind wir eben keine Maschinen, sondern Organismen, und Organismen sind selbstregulierend. Das ist für mich der entscheidende Punkt.
 
Darum traue ich unserem Körper viel zu: Wenn ein Kind hinfällt und sich einen blauen Fleck oder eine oberflächliche Abschürfung holt, dann gebe ich nicht gleich Arnika-Globuli, denn das Kind kann das meist selbst bewältigen (und noch besser, wenn die Mama ein bisschen tröstet und über das wehe Knie pustet). Dabei lernt das Kind gleichzeitig auch, dass es einiges aushalten kann und nicht von Medikamenten abhängig ist, um gesund zu werden und zu bleiben.
Wenn ein Mensch eine Erkältung hat, dann empfehle ich meist weder Paracetamol noch Nux vomica oder Pulsatilla, weil der Körper die Erkältung im Allgemeinen auch ohne Medikamente selbst bewältigen kann. Er muss sich dazu nur schonen, viel schlafen und viel trinken - den Rest erledigt das Immunsystem. Und ganz nebenbei hat der Mensch durch sein Kranksein-Dürfen auch eine - vielleicht dringend nötige - Ruhepause bekommen und hat nun wieder neuen Schwung.
 
Wann medizinische Hilfe nötig ist
Meistens bekommt es unser Körper also alleine hin, vor allem bei akuten Erkrankungen. Nur wenn die Beschwerden bedrohlich (Arzt aufsuchen!) oder chronisch werden, schafft er es nicht mehr, sich komplett selbst zu regulieren. Manchmal liegt es an einem Übermaß an Belastungen: das kann der Dauerstress sein, eine zu große Belastung mit Giftstoffen aus Umwelt und Ernährung oder belastende Konflikte. Gelegentlich reicht es dann schon, die Belastungen zu reduzieren und Konflikte zu klären. Wie das gehen kann, das finden ich mit meinen Patienten im gemeinsamen Gespräch heraus. So ist schon so manche Herzkrankheit allein dadurch wieder geheilt, dass sich der Herz-Patient mit seinen Verwandten nach langem Streit wieder versöhnt hat.
 
Aber oft kann man auch keine solchen belastenden Faktoren feststellen, oder der Körper hat sich über einen so langen Zeitraum in die Krankheit hinein entwickelt, dass eine Selbstheilung nur durch Entlastung nicht möglich ist. In solchen Fällen  bietet es sich an, ein passendes homöopathisches Arzneimittel zu verschreiben und zu versuchen, Selbstregulation und Selbstheilungskräfte zu reaktivieren. Meiner Erfahrung nach kann man auf diese Weise vielen akuten und auch schweren chronischen Krankheiten sinnvoll begegnen. Linderung, besonders aber Heilung brauchen oft Zeit und Geduld - Mangelware in diesen hektischen und fordernden Zeiten. Aber ich denke, dass sich der beharrliche Einsatz für die eigene Gesundheit lohnt. Denn mal ehrlich: Ist es nicht langfristig besser, von Grund auf gesünder zu werden, als nur die Symptome mit einem Arsenal an Medikamenten in Schach zu halten? 
 
Die Rolle der Schulmedizin
Ich bin froh, dass es die Schulmedizin gibt, denn für Notfälle und viele Infektionskrankheiten leistet sie Phantastisches. Auch die medizinische Diagnostik ist sehr fortgeschritten und ich nutze diese gerne, da sie häufig verlässliche Fakten zum Gesundheitszustand eines Patienten liefert und das Risiko verringert, bedrohliche Zustände zu übersehen. Bei meinen Behandlungen prüfe ich deshalb immer sorgfältig die diagnostischen Befunde, die die behandelnden Ärzte meinen Patienten mitgegeben haben. Wenn ich ein homöopathisches Arzneimittel verschrieben habe, die positive Wirkung aber noch auf sich warten lässt, dann halte ich auch den angemessenen Gebrauch schulmedizinischer Medikamente zur einstweiligen Linderung der Beschwerden für gerechtfertigt.
Sobald das homöopathische Mittel spürbar greift und die Beschwerden abklingen, strebe ich in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eine Reduzierung oder ein Absetzen der Medikamente an.
Soweit finde ich den Einsatz von Schulmedizin hilfreich. Aber bezüglich der Heilung chronischer Krankheiten kann mich die Schulmedizin nicht so recht überzeugen. Die Schulmedizin setzt auf chemisch-pharmazeutische Wirkungen, die den Körper quasi von außen regeln sollen, und produziert dabei allzu häufig Nebenwirkungen. Sie verzichtet weitgehend auf die Möglichkeit, die Selbstregulation und die Selbstheilungsfähigkeit des Körpers anzusprechen. Hier sehe ich die klassische Homöopathie deutlich im Vorteil, auch wenn die meisten Wissenschaftler die Wirkung der Homöopathie noch nicht offiziell anerkennen. Sie ist für mich mehr als nur eine wunderbare Ergänzung zu den Möglichkeiten der konventionellen Medizin.