Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Homöopathen und einem Heilpraktiker?


Bildquelle: Pixabay
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Immer wieder stelle ich fest, dass vielen nicht so ganz klar ist, was ein Heilpraktiker ist und was ein Homöopath. Einige verwenden diese Begriffe sogar synonym, sie sagen dann: "Ich war beim Homöopathen", wenn sie in eigentlich bei einem Naturheilkundler waren und "etwas Pflanzliches" bekommen haben.
 
Der Unterschied ist, kurz gesagt, der folgende:
Jemand darf sich in Deutschland "Heilpraktiker" nennen, wenn er die gesetzliche Genehmigung hat, eigenständig Heilbehandlungen durchzuführen, ohne Arzt zu sein.

Mit dem Begriff "Heilpraktiker" meint man also eine gesetzliche Erlaubnis, um - mit welcher Heilmethode auch immer - beruflich Patienten zu behandeln.

Ein Homöopath ist jemand, der als Methode für so eine Heilbehandlung die Homöopathie anwendet. Der Homöopath kann ein Heilpraktiker sein oder auch ein Arzt. Wobei es eigentlich nur Ärzten erlaubt ist, auf ihr Praxisschild "Homöopath" zu schreiben. Heilpraktiker, die die Homöopathie praktizieren, müssen auf ihr Praxisschild "Heilpraktiker Homöopathie" oder etwas ähnliches schreiben, damit für die Patienten der Unterschied zum Arzt klar ist.

Es geht also im Grunde um den Unterschied zwischen einem Beruf (Heilpraktiker) und einem, der eine bestimmte Behandlungsmethode ausübt (Homöopath).
 
Wen das Ganze etwas genauer interessiert, der kann nun noch weiterlesen - es folgt eine kurze Beschreibung, wie der Heilpraktiker gesetzlich geregelt ist und was sich alles "Homöopathie" nennen darf. Wen das nicht so sehr interessiert, der kann hier ruhig mit dem Lesen aufhören.

Das Heilpraktiker-Gesetz

"Heilpraktiker" ist eine Berufsbezeichnung, sie ist im Heilpraktikergesetz geregelt (http://www.gesetze-im-internet.de/heilprg/index.html#BJNR002510939BJNE001000314). Ein Heilpraktiker darf nach diesem Gesetz berufsmäßig Krankheiten, Leiden oder Körperschäden feststellen (diagnostizieren), heilen oder lindern. Manche Bereiche sind dabei explizit ausgeschlossen, z.B. die Zahnheilkunde oder die Behandlung von Infektionskrankheiten wie z.B. Masern. Welche konkreten Voraussetzungen für eine Heilpraktiker-Erlaubnis gelten, was in der Heilpraktiker-Prüfung abgefragt werden muss und was ein Heilpraktiker darf und was nicht, das wird in weiteren Gesetzen und Verordnungen geregelt.

 

Die Heilpraktiker-Anwärter müssen in einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung nachweisen, dass sie die nötigen medizinischen Kenntnisse besitzen (Anatomie, Physiologie, Pathologie, Labordiagnostik usw.) und keine Gefahr für die Volksgesundheit darstellen. Die Prüfungen sind sehr streng, nur verhältnismäßig wenige bestehen sie.

 

Wie behandelt ein Heilpraktiker?

Wenn nun ein angehender Heilpraktiker die Prüfungen bestanden hat, dann darf er praktizieren. Aber mit welcher Behandlungsmethode? Das darf er wählen, ähnlich wie auch Ärzte sich grundsätzlich entscheiden dürfen, in welchem Fachgebiet mit ihren entsprechenden Behandlungsformen sie praktizieren wollen. Für Heilpraktiker kann das die Homöopathie sein, auch Akupunktur, Osteopathie, Schröpfen, Ozontherapie, Psychotherapie, energetische Behandlungsweisen usw. Viele Heilpraktiker wenden mehrere Behandlungsmethoden an, einige spezialisieren sich auf eine oder zwei. Ähnlich einem Arzt unterliegt auch ein Heilpraktiker der Sorgfaltspflicht. Diese gebietet ihm, dass er in seinem Behandlungsgebiet kompetent ist, er also eine entsprechende Ausbildung hat und sich laufend fortbildet. Und er muss seine Grenzen achten und ggf. einen Patienten an einen Arzt verweisen.

 

Homöopathie ist nicht gleich Homöopathie

Bei der Homöopathie als Behandlungsmethode kommen wir allerdings zu einem kleinen Problem: Der Begriff "Homöopathie" ist nämlich gesetzlich nicht geschützt. Das bedeutet, dass jeder Arzt oder Heilpraktiker behaupten darf, homöopathisch zu behandeln, auch wenn er sich nicht im mindesten an die Grundprinzipien der Homöopathie hält. Wenn jemand anstatt eines Anamnese-Gesprächs einfach nur nach Diagnose-Namen Globuli verschreibt (z.B. bei Fieber Belladonna oder bei Fieberkrämpfen Cuprum) oder die Globuli auspendelt, dann ist das eigentlich keine echte klassische Homöopathie nach den über 200 Jahre lang erprobten Prinzipien Hahnemanns. Auch eine Verschreibung von Mittelmischungen, sogenannte "Komplexmittel", entspricht nicht den Prinzipien der klassischen Homöopathie. Damit soll nichts über die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit dieser Methoden gesagt sein, aber es ist eben im Grunde keine Homöopathie. Homöopathie ist mehr als nur das Verabreichen von Globuli oder potenzierten Tropfen.

 

Wenn Sie wirklich echte Homöopathie wollen, dann lohnt es sich, seinen homöopathischen Behandler - egal ob Heilpraktiker oder Arzt - sorgfältig auszuwählen:

  • Einen ersten guten Hinweis geben die Begriffe "Klassische Homöopathie" oder "Genuine Homöopathie".
  • Achten Sie auf eine gute homöopathische Ausbildung Ihres Homöopathen - eine solche dauert meist zwei Jahre oder länger.
  • Achten Sie darauf, dass sich Ihr Homöopath für das Gespräch mit Ihnen genügend Zeit nimmt. Für die Behandlung chronischer Krankheiten dauert ein Erstanamnese-Gespräch meist zwei Stunden oder länger.
  • Ihr Homöopath sollte dann, nach sorgfältiger Analyse, ein einzelnes Arzneimittel verschreiben, keine Mischung.

Das alles kann natürlich keine Heilung garantieren. Aber es schafft die besten Voraussetzungen für eine sorgfältige und exakt auf den Patienten abgestimmte Behandlung, basierend auf der langjährigen Erfahrung einer bewährten Heilmethode.

 

Wenn Sie dazu Fragen haben, können Sie mich gerne kontaktieren.