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Fallbeispiel: Homöopathie bei Autismus


Autistisches Kind - kann Homöopathie helfen?
(Bildquelle: Bruno/Germany auf Pixabay)

Es gibt Krankheiten und Störungen, bei denen die wenigsten Menschen denken würden, dass Homöopathie hier helfen könnte. Dies ist so ein Fall. Es geht dabei um den 8-jährigen Jonas (Name geändert), der vor einigen Jahren von seiner Mutter zu mir in die Praxis begleitet wurde. Jonas leidet an Autismus. Autismus ist eine schwere Entwicklungsstörung, die man meist mit Verhaltens- oder Kunsttherapien oder auch in Therapien mit Tieren behandelt. Zusätzlich kann in der schulmedizinischen Therapie versucht werden, mit Antidepressiva und Neuroleptika begleitende Symptome wie Zwänge, Ängste und Depressionen unter Kontrolle zu halten - was leider heftige Nebenwirkungen und eine Verschlimmerung der Symptome nach sich ziehen kann. Da ich schon mehrmals erlebt habe, dass sich unter homöopathischer Behandlung Entwicklungsstörungen stark gebessert haben, war ich damals bei Jonas zuversichtlich. Zurecht, wie sich herausstellen sollte.

 

Behandlungsbeginn

Schon als Jonas hereinkommt, fällt mir einiges auf: Er sieht mich nicht an, spricht nicht zu mir und wirkt sehr zurückgezogen. Seine Mutter erzählt: Bei Jonas wurde frühkindlicher Autismus diagnostiziert (heute würde man sagen: eine Autismus-Spektrum-Störung). Er geht in die Grundschule und wird von einem Schulbegleiter unterstützt. Insgesamt tut er sich in der Schule schwer, vor allem weil er dort keine Freunde hat und sich nicht gut ausdrücken kann. Die bisherigen Therapieversuche hatten keinen deutlichen Erfolg gebracht, deswegen will die Mutter es nun mit Homöopathie versuchen - gegen den Willen des Vaters, der davon nichts hält.

Ich beobachte Jonas eine Weile: Er sitzt in meinem Behandlungszimmer am Boden und spielt mit einem kleinen Auto, das er immer hin und her schiebt, minutenlang.  Er scheint völlig in Gedanken versunken. Ich versuche mit ihm Kontakt aufzunehmen, aber er reagiert nicht. Anschauen tut er mich nach wie vor nicht. Seine Mutter bestätigt mir, dass er generell Blickkontakt vermeidet. Als seine Mutter ihn bittet, mit mir zu reden, blickt er weiter auf sein Spielzeugauto, aber er nickt. Ich stelle ihm behutsam Fragen: ob er gerne Autos mag; wie es ihm in der Schule gefällt; wen er dort am liebsten mag; was sein Lieblingsessen ist usw. Nach jeder Frage dauert es eine Weile - bis zu einer Minute -, dann wiederholt Jonas meine Frage, dann dauert es nochmal eine Weile, dann antwortet er. Seine Sprache ist dabei etwas unbeholfen und hat nur ganz wenig Sprachmelodie. Manchmal spricht er von sich in der 3. Person.

Seine Mutter erzählt mir, dass er alles sehr langsam macht, dafür aber genau. In der Schule versteht er den Lernstoff, aber seine Langsamkeit begrenzt seine Möglichkeiten. Das scheint ihn zu frustrieren, denn am liebsten will er spielen oder sich bewegen. Er hat Angst vor Schlangen und vor Spiegeln und er erschrickt bei plötzlichen Geräuschen sehr stark. Alleine zu sein mag er gar nicht gerne. Er genießt es, wenn er mit der Mutter kuscheln kann. Insgesamt ist er sehr gutmütig, kann aber auch mal widerspenstig und eigensinnig sein.

Ich überlege: Jonas zeigt größtenteils Verhaltensweisen, die für Autismus nicht ungewöhnlich sind: Das Wiederholen meiner Fragen (Echolalie), die eingeschränkte Sprachmelodie, das andauernde, unbeirrte Hin- und Herbewegen des Spielzeugautos (stereotype Verhaltensweisen), das Vermeiden des Blickkontakts. Was mir aber sehr deutlich auffällt: seine Langsamkeit. Meine Fragen scheinen eine ganze Weile zu brauchen, um in ihn regelrecht "einzusickern", bevor er darauf reagiert.

Ich entscheide mich daher für ein homöopathisches Arzneimittel, das diese Art von Langsamkeit als charakteristisches Symptom gut abdeckt.

Andeutungen einer Besserung

Nach einem Monat sehen wir uns wieder zum Folgegespräch. Es zeigt sich zwar noch keine deutliche Änderung, aber Jonas wirkt irgendwie zutraulicher. Natürlich kann es bei einer solchen Entwicklungsstörung relativ lange dauern, bis man beurteilen kann, ob sich etwas verbessert. Aber diese Zutraulichkeit stimmt mich schon mal zuversichtlich. Wir bleiben also bei dem verordneten Arzneimittel und warten ab.

 

Die weitere Entwicklung

Jonas und seine Mutter kommen noch dreimal im Abstand von je zwei Monaten in die Praxis. Mit jedem Termin wird Jonas offener, antwortet schneller und nimmt gelegentlich sogar Blickkontakt auf. Auch in der Schule wird das bemerkt, leider nicht nur positiv: Er hat ein paar Mal andere Kinder geschlagen, weil sie ihn gehänselt hatten. Doch seine Mutter und ich werten das als positives Zeichen: Er zieht sich nun nicht mehr automatisch in sein Schneckenhaus zurück, sondern wehrt sich, wenn auch noch unbeholfen. Seine Mutter ist über die Verbesserungen sehr glücklich.

Was mich besonders freut: Nach einigen Monaten ruft Jonas' Schulbegleiter bei mir an. Er sagt mir, dass er bei Jonas eine deutliche Entwicklung sieht, seit er bei mir in Behandlung ist. Er möchte gerne wissen, welches Medikament ich ihm denn gegeben hätte. Ich sage ihm, dass ihm der Name des Arzneimittels nichts nützen würde, weil es kein typisches Autismus-Mittel ist (denn so etwas gibt es in der Homöopathie nicht), sondern aufgrund der individuellen Symptome von Jonas ausgewählt wurde. Es würde bei anderen Autisten gar nichts bewirken. Wie auch immer, der Schulbegleiter ist über die Fortschritte von Jonas sehr begeistert.

 

Behandlungsende

Die Behandlung dauerte bis hierher ein halbes Jahr. Dann unterbrach die Mutter die Behandlung "aus familiären Gründen", wie sie sagte, kam aber nach weiteren 3 Monaten nochmals in die Praxis. Sie erklärte mir, dass sie die Behandlung nicht weiterführen will, weil sie mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden sei. Das fand ich sehr schade, denn meiner Meinung nach wäre bei Jonas noch viel mehr möglich gewesen. Dennoch bin ich heute noch dankbar dafür, dass ich zu Jonas' Entwicklung einen Beitrag leisten konnte.

 


Heilpraktiker Markus Dankesreiter, Regensburg

Autor: Markus Dankesreiter, Heilpraktiker in Regensburg.

Spezialisiert auf Klassische Homöopathie, Genuine Homöopathie, Predictive Homoeopathy.

SHZ-akkreditierte Ausbildung in Homöopathie.
Praxiserfahrung seit 2012.

Abgeschlossenes Studium der Physik (Diplom).


Hinweis:

Dieser Fallbericht gibt die reale Erfahrung eines Patienten in meiner Praxis wieder und stellt keine allgemeine Therapieempfehlung dar. In der Wissenschaft ist Homöopathie bisher nicht als wirksame Therapie anerkannt. Bitte hier weiterlesen...