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Fallbeispiel: Frau mit Übelkeit und Panikattacken


Mittelalterliche Malerei mit weinender Frau
(Bildquelle: CarlottaSilvestri auf Pixabay)

Manche sagen, Homöopathie wirke nur langsam. Dass dies nicht stimmen muss, das zeigt der Fall dieser Patientin: Hier wirkte die homöopathische Behandlung nicht nur sehr schnell, sondern auch sehr deutlich - nur eben ohne Nebenwirkungen.

 

Donnerstag, 4 Tage vor Heiligabend
Eine junge Frau ruft mich an und bittet ganz dringend um einen Termin in meiner Regensburger Heilpraxis: Seit knapp einer Woche leidet sie an einer enormen Übelkeit und kann nichts essen. Nun steht Weihnachten vor der Tür und sie ist ganz verzweifelt, wie sie die Feiertage überstehen soll. Sie wirkt sehr verzweifelt. Wir vereinbaren, dass sie gleich am nächsten Tag morgens zu mir in die Praxis kommen soll.

 

Ich habe also bis Weihnachten genau einen Versuch, um ein passendes Arzneimittel zu finden...

 

Freitagmorgen
Die Patientin erzählt mir, wie es mit der Übelkeit begann: Am letzten Wochenende bekam sie plötzlich einen Ekel vor jeglichem Essen, und das trotz vorhandenen Hungergefühls. Schon der Geruch von Essen war ihr zuwider und sie war von einer beständigen Übelkeit geplagt. Der Ekel und die Übelkeit sind ihr seitdem geblieben: Der Magen knurrt vor Hunger, aber sie kann nichts essen. Nur abends ist es etwas besser. Da zwingt sie sich dann, wenigstens ein kleines Stückchen Kuchen zu essen. Von Getränken wird ihr nicht übel. Sie spürt die Übelkeit vom Magen her bis hoch in den Hals, daher verträgt sie trotz der Kälte in dieser Jahreszeit auch nichts Enges am Hals und muss den Schal ganz locker machen.

Eigentlich hat das Ganze schon fast zwei Monate vorher, Anfang November, begonnen, aber mit viel leichteren Beschwerden: Sie hatte einfach weniger Appetit und eine leichte Übelkeit. Sie war deswegen beim Arzt, aber der hatte keinen Grund für diese Beschwerden gefunden und ihr dann Säureblocker verschrieben. Die haben eine Weile etwas geholfen. Aber seit Samstag ist es eben ganz schlimm.

Ich frage sie, ob sie das schon mal gehabt hat, und sie bejaht: Als ihr Vater schwer krank war, einmal vor über 10 Jahren und einmal in diesem Jahr, da war ihr auch schlecht und sie konnte nichts essen. Sie hat sich in dieser Zeit wahnsinnig viele Sorgen gemacht und große Angst um ihren Vater gehabt.

Ich frage nach, was denn dieses Mal der Auslöser gewesen sein könnte, und sie erzählt, dass sie seit der Erkrankung des Vaters in diesem Jahre eigentlich gar nicht mehr zur Ruhe gekommen ist. Sie war sehr um ihren Vater besorgt und hat sich neben ihrer Arbeit auch um ihre Mutter gekümmert. Dann kam noch ein weiterer Angehöriger hinzu, um den sie sich kümmern musste. Sie hat irgendwann nur noch funktioniert und sich selbst eigentlich gar nicht mehr gespürt. Das ging so bis in den späten Sommer hinein. Von dieser anstrengenden und belastenden Zeit hat sie sich nicht erholen können. Im November begannen dann die Symptome.

Für mich als Heilpraktiker ist mittlerweile (auch dank der Befunde des Arztes) klar, dass diese Beschwerden keine organische Ursache haben, sondern psychisch bzw. nervlich bedingt sind. Daher frage ich zur Bestätigung nach, ob sie außerdem in letzter Zeit noch weitere Symptome bemerkt hat. Sie beschreibt daraufhin eine Art von Panikattacken: Morgens erwacht sie mit Angst vor der Übelkeit, dazu Herzrasen und Schweißausbrüche. Auch tagsüber hat sie immer wieder Herzsymptome und ein Gefühl zu schwitzen, ohne tatsächlich zu schwitzen. Ihr Puls kommt ihr dann sehr schnell vor, ihr Mund fühlt sich trocken an und ihre Muskeln sind angespannt - alles typische Sympathikus-Symptome. Schon kleine negative Ereignisse, etwa die Nachricht von der Erkrankung einer Nachbarin oder eine Unpässlichkeit ihres Hundes, können diese Zustände auslösen. Außerdem hat sie eine große Angst, eine schlimme Krankheit zu haben. In diese Angst steigert sie sich regelrecht hinein, was alle Beschwerden nur noch schlimmer macht.

Nachdem sie mir all dies erzählt hat, bittet mich die Patientin nochmal ganz inständig, ihr ganz schnell zu helfen. Ich entschließe mich, ihr ein Arzneimittel zu verschreiben, das ihr erst einmal aus dem Gröbsten helfen soll. Wenn der akute Zustand dann abgeklungen ist, wird sie zweifellos noch ein chronisches Arzneimittel brauchen, das auf ihre grundsätzliche Neigung zu solchen Übelkeits- und Angstzuständen abzielt. Sie bekommt als Erstes also ein homöopathisches Arzneimittel in Tropfenform, das sie zweimal täglich einnehmen soll. Wir vereinbaren, drei Tage später, also an Heiligabend, zu telefonieren.

3 Tage später, Heiligabend
Am Vormittag von Heiligabend ist sie ganz erleichtert: Die Panikzustände sind um etwa 50 Prozent besser geworden, die Übelkeit ist verschwunden und der Appetit ist besser. Zumindest abends hat sie nun richtig Appetit. Am schlimmsten sind noch die ersten Sekunden nach dem morgendlichen Aufwachen und der Vormittag: Da hat sie noch das Schwitzen und das Herzklopfen. Danach geht es ihr für den Rest des Tages einigermaßen gut. Sie verspürt nun allerdings eine große Traurigkeit. Gestern musste sie deswegen heftig weinen, danach war ihr wohler. Außerdem hat sie Kopfweh und etwas Durchfall.

Die schlimmsten Beschwerden sind also deutlich besser geworden. Ich werte es außerdem als ein gutes Zeichen, dass nun diese Traurigkeit da ist: Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Patientin nun die schwere Zeit, die sie hat durchstehen müssen, endlich verarbeiten kann. Wir reduzieren die Dosis auf eine Einnahme täglich und vereinbaren wieder ein Telefonat für Freitag.

Weitere 4 Tage später, Freitag
Nun, eine Woche nach der Fallaufnahme, berichtet sie, dass es ihr rundherum besser geht. Der Appetit ist zwar noch wechselhaft, aber sie kann gut essen. Die Kopfschmerzen sind verschwunden, der Durchfall auch. Die Traurigkeit ist ebenfalls weg. Geblieben ist eine Grundnervosität und Anfälle von Schwitzen, wenn sie alleine ist. Allerdings beeinträchtigt sie dies nicht mehr so stark wie dies während der Panikattacken der Fall war.

Wir machen weiter mit dem selben Arzneimittel, das wir im Laufe der Zeit ausschleichen. In den nächsten Wochen wird Ihr Zustand zusehends besser. Nur hin und wieder flackern Anflüge von Appetitlosigkeit und Nervosität auf, werden aber sofort nach Einnahme des Homöopathikums wieder besser.

Ende März
Es scheint wieder loszugehen: Die Patientin sitzt vor mir in der Praxis und berichtet von zunehmender Appetitlosigkeit und einer anhaltenden Übelkeit. Ihr Mund ist wieder trocken und ihr Geschmackssinn scheint beeinträchtigt zu sein - Brot schmeckt für sie wie Papier. Sie hat zwar Hunger, aber sie kaut ewig auf dem Essen herum und es schmeckt nach nichts. Sie entwickelt wieder eine Abneigung gegen Essen, muss sich regelrecht dazu zwingen. Außerdem erwacht sie frühmorgens mit starkem Schwitzen, Zittern, Verkrampfungen und Herzrasen, dazu ein Gedankenkarussel im Kopf. Gleich nach dem Aufstehen hat sie Durchfall. Sie hat nun Angst, durchzudrehen. Das homöopathische Arzneimittel hat sie nochmal eingenommen, es hat aber nicht mehr geholfen.

Nun ist also Zeit für das chronische Arzneimittel, das ich schon die ganze Zeit im Blick habe. Sie bekommt es ebenfalls in flüssiger Form und soll es zweimal täglich einnehmen.

2 Tage später
Wir telefonieren: Es geht ihr schon viel besser! Die Angst am Morgen ist nicht mehr so stark, sie kann sie einfach vorüberziehen lassen. Der Appetit ist mittelmäßig gut und generell fühlt sich sich fitter und von der Arbeit weniger erschöpft.

Weitere 5 Tage später
Es geht ihr gut! Sie kann gut essen und fühlt sich psychisch stabiler. Sie hat nur noch ganz wenig Herzrasen und es macht ihr auch keine Angst mehr.
Außerdem hat sie nun mehr Vertrauen darin, dass sie etwas gegen diese Zustände tun kann, falls sie wieder auftauchen sollten - diese Erfahrung hat sie ja jetzt zweimal mit der Homöopathie gemacht.

3 Wochen später
Wir bleiben noch eine Weile in Kontakt, um eventuelle Rückfälle schnell auffangen zu können. Es geht ihr aber kontinuierlich besser. Sie erzählt, dass sich ihr Leben seit dem letzten homöopathischen Arzneimittel irgendwie stimmiger anfühlt, sie fühlt sich "in sich wieder zuhause". Insgesamt ist sie stabil, die Stimmung ausgewogener und sie schläft viel besser. Ihr Appetit ist gut und vor allem: Die Angst vor der Angst ist weg und sie traut sich nun mehr zu.

Für mich als Behandler ist es eine wahre Freude zu sehen, wie sich diese junge Frau in dieser kurzen Zeit entwickelt hat! Wir schleichen das Arzneimittel aus und schließen die Behandlung ab.

Gesamte Behandlungsdauer: 4 Monate.

 


Hinweis:

Dieser Fallbericht gibt die reale Erfahrung einer Patientin in meiner Praxis wieder und stellt keine allgemeine Therapieempfehlung dar. In der Wissenschaft ist Homöopathie bisher nicht als wirksame Therapie anerkannt. Bitte hier weiterlesen...