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Fallbeispiel: Magenschmerzen nach Ausschleichen von Antidepressiva


(Bildquelle: Alessandro Danchini auf Pixabay)
(Bildquelle: Alessandro Danchini auf Pixabay)

Medikamente wie Cortison, Blutdrucksenker, Antidepressiva oder Schlafmittel können nicht nur während der Einnahme Nebenwirkungen verursachen, sondern auch beim Ausschleichen oder Absetzen.  Dass man solche medikamentösen Nebenwirkungen homöopathisch behandeln kann, das zeigt dieser Fall.

 

 

Depression nach Schicksalsschlägen

Die Patientin kommt auf Empfehlung zu mir. Sie ist um die 40, sehr freundlich, zugewandt und offen. Auf den ersten Blick sieht man ihr nicht an, welchen Leidensweg diese Frau hinter sich hat. Sie hatte sich jahrelang um einen Familienangehörigen gekümmert, und das neben ihrer eigentlichen Arbeit. Sie war Tag und Nacht im Einsatz und hatte dabei keinerlei Unterstützung. Dabei wirkte sie immer aufgeräumt und gut gelaunt. Ihre Freundinnen bewunderten sie dafür, wie sie das alles hinbekam und sahen nicht, wie alleingelassen sie sich fühlte. Dann kam noch ein Schicksalsschlag: Ihr Mann betrog sie. Die Welt brach für sie zusammen. In der Arbeit funktionierte sie noch, aber kaum zuhause wollte sie nur noch sterben. Sie war antriebslos, konnte sich nicht mehr um die Pflege kümmern, grübelte ständig und aß nichts mehr. Dann kamen noch Panikattacken mit Schwindel, Herzrasen und Atemnot dazu.

Schließlich ging sie für mehrere Monate in eine Klinik. Dort bekam sie ein Antidepressivum aus der Klasse der SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren) verordnet und begann eine Psychotherapie, die sie über mehrere Jahre weiterführte. Ihr Zustand stabilisierte sich zusehends. Sie lernte, mehr auf sich und ihre eigenen Bedürfnisse zu achten und baute mehr Selbstwertgefühl auf. Wo sie vorher immer nur für andere da war, sorgte sie nun endlich auch für sich selbst. Die Therapie war also erfolgreich und seit einigen Jahren geht es ihr richtig gut.

Das Antidepressivum war für die Patientin wichtig, um aus der Krise zu kommen. Aber sie nimmt es nun seit mehr als 12 Jahren ein und möchte nicht dauerhaft von diesem Medikament abhängig sein, zum einen wegen der Nebenwirkungen, zum anderen weil sie nicht permanent emotional gedämpft sein will. Daher hat sie beschlossen, gemeinsam mit ihrem Psychiater den Versuch zu wagen, das Antidepressivum langsam auszuschleichen. Aber damit bekam sie ein neues Problem und deswegen kam sie zu mir in die Praxis.

 

Magenschmerzen während des Ausschleichens

In der Fachliteratur wird empfohlen, SSRI über mindestens vier Wochen auszuschleichen. Der Psychiater meiner Patientin geht hier noch behutsamer vor: Ihr Ausschleich-Prozess läuft nun schon über drei Monate. Trotz dieses behutsamen Vorgehens hat sie nach einer Weile heftige Magenschmerzen entwickelt, die ihr Psychiater auf das Ausschleichen zurückführt. An diesen Magenschmerzen leidet sie nun schon seit über vier Wochen.
Es ist bekannt, dass nach Absetzen von Antidepressiva verschiedenste Nebenwirkungen auftreten können. Das können grippeähnliche Symptome, Schwindel und Benommenheit oder Kopfschmerzen sein, aber auch Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Auch massive emotionalen und psychischen Störungen sowie Wahrnehmungsprobleme sind möglich.
Der Hausarzt meiner Patientin diagnostizierte eine Gastritis, also eine Magenschleimhautentzündung, und verordnete ihr den Säureblocker Pantoprazol. Das Problem mit Säureblockern ist, dass diese vor allem nach längerer Einnahme neue Probleme verursachen können. Das kann man in Kauf nehmen, wenn das Medikament wirklich hilft, doch in diesem Fall half Pantoprazol auch nach dreiwöchiger Einnahme nicht: Die Magenschmerzen der Patientin blieben unverändert stark. Erst in den letzten zwei Tagen hatte sie das Gefühl, dass die Schmerzen vielleicht ein wenig leichter geworden sein könnten.
Ihr Wunsch ist, dass ich sie beim Ausschleichen des Antidepressivums homöopathisch begleite und ihre Gastritis behandle.

Aufnahme der Symptome und Verschreibung

Die Diagnose "Gastritis" hilft mir für das Finden eines passenden homöopathischen Arzneimittels nicht weiter. Ich muss die genauen Symptome kennen. Daher befrage ich sie eingehend nach der genauen Symptomatik. Die Patientin beschreibt es so: Sie kann fast nichts essen, denn nach jedem Essen bekommt sie nach 1-2 Stunden heftige Magenkrämpfe, die so schmerzhaft sind, dass sie sich krümmt. Die Schmerzen sind stechend-brennend, vor allem unter dem linken Rippenbogen, und sie erstrecken sich nach hinten bis zum Rücken. Dazu leidet sie an Übelkeit in der Magengegend, muss aber nicht erbrechen. Ihr Bauch ist dabei von Blähungen stark aufgetrieben und sie muss häufig und stark aufstoßen. Dieser Zustand dauert meist 1-2 Stunden an. Danach ist sie sehr erschöpft und muss schlafen.

Die Ultraschall-Untersuchung beim Arzt hatte nichts ergeben. Ein Atemtest war nicht gemacht worden, aber ein Termin für eine Magenspiegelung ist anberaumt.

Mein Nachfragen bezüglich ihrer Krankheitsgeschichte ergibt, dass sie schon in ihrer Kindheit immer wieder Bauchweh hatte, allerdings nicht so heftig. Möglicherweise ist der Magen oder das Verdauungssystem ihre persönliche Schwachstelle.

Besonders interessant ist ein Symptom, das erst mit der Gastritis aufgetreten und bis vor kurzem recht intensiv war: Beim Bewegen des Kopfes wird ihr schwindelig. Dieser Schwindel ist nach wie vor in leichter Form vorhanden. Es ist übrigens genau dieses Schwindel-Symptom, das mich am Ende dieses ersten Gesprächs zu einem passenden homöopathischen Arzneimittel führen wird.

Das Absetzen des Antidepressivums bewirkt natürlich auf der psychischen Ebene eine Umstellung, die sehr anstrengend ist: Wo sie in den letzten Jahren durch das Antidepressivum emotional sehr gedämpft war, deswegen auch keine Angst mehr hatte und vor nichts zurückscheute, wird nun beim Ausschleichen des SSRI sozusagen der Schleier weggezogen. Sie fühlt sich nun empfindlicher, verletzlicher und ängstlicher. Deshalb neigt sie derzeit sehr zum Rückzug, einfach um sich vor zu vielen Eindrücken zu schützen. Sie hat das Gefühl, laute Geräusche im Gehirn schmerzhaft zu spüren, weswegen sie es lieber ganz still mag. Auch gegen die Grobheiten anderer ist sie zur Zeit sehr empfindlich, aber das hatte sie in geringerem Ausmaß schon immer.

Generell ist sie eher verfroren, verträgt aber warme Raumluft nicht gut. Sie hat fast kein Durstgefühl und muss sich dazu animieren, genug zu trinken.
Schweiß hat sie nur bei Stress, ansonsten bleibt ihre Haut selbst in der Sauna trocken.

Ich verschreibe ihr ein homöopathisches Hochpotenz-Arzneimittel in flüssiger Form, von dem sie täglich 3 Tropfen einnehmen soll.

Eine Woche später: Erste Besserung

Nach einer Woche telefonieren wir miteinander: Ihr geht es psychisch sehr gut! Sie sagt, dass in ihrem Kopf ist nun mehr Ruhe ist. Innerlich hat sich etwas geordnet.
In den ersten beiden Tagen mit dem Homöopathikum ist sie nach dessen Einnahme jeweils in einen zweistündigen Tiefschlaf gefallen. Am zweiten Tag war sie zudem sehr mürrisch, "auf Krawall gebürstet". Seitdem fühlt sie sich sehr aufgeräumt, auch ihre Konzentrationsfähigkeit hat sich verbessert.
Die Magenschmerzen sind seit zwei Tagen deutlich besser, die Übelkeit ist verschwunden. Auch der Schwindel ist nicht mehr da.

Wir sehen also eine deutliche Besserung der gesamten Symptomatik. Das Arzneimittel scheint zu passen!

In ein paar Tagen bekommt sie die Magenspiegelung. Danach wollen wir den Befund und das weitere Vorgehen besprechen. In der Zwischenzeit soll sie weiterhin das homöopathische Arzneimittel einnehmen.

Zweite Woche

Die Magenspiegelung war ohne Befund geblieben und hat einen völlig gesunden Magen gezeigt. Der Atemtest hat keinen Helicobacter-Befall ergeben.

Aber die Patientin hat nach wie vor diese stechend-brennenden Magenschmerzen. Allerdings hat sich die Schmerzintensität um etwa 50 Prozent verringert. Der Bauch ist immer noch sehr aufgebläht und sie muss oft aufstoßen. Nachts ist es schlimmer. Sie geht dann umher, was ihr einiges an Besserung bringt. Unangenehme, stressige Situationen verschlimmern den Schmerz: Dann sticht es im Bauch wie von einem Messer.

Psychisch geht es ihr weiterhin gut: Sie fühlt sich ruhig und ausgeglichen.

Die Magensymptomatik ist also nach wie vor vorhanden, aber der Schmerz ist weniger intensiv. Wir sind also noch auf dem richtigen Weg und bleiben bei dem verordneten Homöopathikum.

Dritte Woche: Schmerzfrei!

Die Patientin ist ganz glücklich: Die Magenschmerzen sind weg!

Sie erzählt, dass kurz nach unserem letzten Gespräch die Schmerzen innerhalb von 2-3 Tagen weiter nachgelassen haben und nun praktisch verschwunden sind.  Auch die anderen Symptome sind nicht mehr da: Kein aufgeblähter Bauch mehr, kein Aufstoßen mehr und auch der Schwindel ist nicht wieder aufgetaucht.
Ihr Bauch fühlt sich nun wieder so gesund an wie vor der Gastritis.

Auch psychisch geht es ihr nach wie vor sehr gut.

Ihr Plan ist, dass sie beim nächsten Termin mit ihrem Psychiater die Dosis ihres SSRI-Antidepressivums weiter reduzieren wird.  Wir vereinbaren, dass sie nun, da es ihr gut geht, auch das homöopathische Arzneimittel behutsam ausschleicht und sich für den Fall, dass sich nochmals Magensymptome oder andere Probleme zeigen sollten, bei mir meldet.

Die gesamte Behandlung hat drei Wochen gedauert.

 


Mini-Portrait Markus Dankesreiter

Autor: Markus Dankesreiter, Heilpraktiker in Regensburg.
Spezialisiert auf Klassische Homöopathie, Genuine Homöopathie, Predictive Homoeopathy.
SHZ-akkreditierte Ausbildung in Homöopathie.
Praxiserfahrung seit 2012.
Abgeschlossenes Studium der Physik (Diplom).


Hinweis: Dieser Fallbericht gibt meine eigene reale Erfahrung wieder und stellt keine allgemeine Therapieempfehlung dar. In der Wissenschaft ist Homöopathie bisher nicht als wirksame Therapie anerkannt. Bitte hier weiterlesen...