Was ist der Unterschied zwischen klinischer Homöopathie und klassischer Homöopathie?


(Bildquelle: Pixabay)
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oder:

Warum ich keine klinische Homöopathie mache, sondern Klassische Homöopathie

 

Den Ausdruck "Klassische Homöopathie" haben viele schon gehört - aber was bitte ist "Klinische Homöopathie"? Wenn Sie nach einem Sturz einen dicken, schmerzhaften Bluterguss haben, danach Arnica-Globuli nehmen und der Bluterguss daraufhin ungewöhnlich schnell verschwindet, dann haben Sie erfolgreich klinische Homöopathie betrieben. Bei klinischer Homöopathie verschreibt man ein Homöopathikum im Grunde auf eine Diagnose bzw. Krankheit, in diesem Fall auf eine "Prellung mit Bluterguss". Das funktioniert mit Arnica tatsächlich erstaunlich gut, weil sich in der mittlerweile über 200jährigen Erfahrung mit diesem homöopathischen Arzneimittel gezeigt hat, dass es einen sehr ausgeprägten Bezug zu Blut, Blutgefäßen und Prellungsschmerz hat.

Wenn man dieses Beispiel verallgemeinert, könnte man sagen: In der klinischen Homöopathie wird das homöopathische Ähnlichkeitsprinzip darauf reduziert, dass die Symptome eines Arzneimittels den typischen Symptomen eines Krankheitsbildes ähnlich sein müssen - nicht dem individuellen Gesamtzustand des Patienten, wie dies in der Klassischen Homöopathie der Fall ist. Das führt dann dazu, dass man in der klinischen Homöopathie bei der Krankheit X das Arzneimittel A verschreibt, bei der Krankheit Y das Arzneimittel B usw - der Fachmann sagt dann, dass "nach Indikationen" verschrieben wird. Jeder Patient mit einer bestimmten Krankheit würde demnach das gleiche Arzneimittel bekommen, manchmal stehen auch einige wenige weitere Arzneimittel zur Wahl. Dies entspricht im Grunde dem schulmedizinischen Denken, nur dass eben Globuli gegeben werden.

Auf diese Art funktionieren auch homöopathische Hausapotheken bis zu einem gewissen Grad recht gut: Ledum bei Insektenstichen, Hypericum bei Quetschungen von nervenreichem Gewebe (z.B. durch Einklemmen der Fingerspitzen in der Autotür), Rhus toxicodendron bei Hexenschuss usw. Viele Ärzte und Heilpraktiker, die nicht auf Homöopathie spezialisiert sind, sondern diese nur zusätzlich neben anderen Therapieformen betreiben, arbeiten so. Der Vorteil der klinischen Homöopathie ist: Das Arzneimittel ist schnell ausgewählt und man braucht keine allzu umfangreiche Ausbildung dafür. Aber diese Art von Homöopathie hat ihre Grenzen: Sie nutzt bei Weitem nicht alle Möglichkeiten der Homöopathie.

 

Deshalb behandle ich lieber mit Klassischer Homöopathie. Und genuiner, aber das erkläre ich lieber ein anderes Mal.

 

Wenn ich erzähle, dass ich in meiner Praxis schon Arthrose, Rheuma, Colitis ulzerosa, Entwicklungsstörungen, Halluzinationen und andere schwere Krankheiten und Beschwerden erfolgreich behandelt habe, dann machen manche Kollegen große Augen: Sie können sich - obwohl sie selbst homöopathisch arbeiten (klinisch!) - nicht vorstellen, dass man "nur mit Homöopathie" so etwas bewerkstelligen kann. Meine bisherigen Erfahrungen sprechen aber sehr dafür, dass das geht (Achtung, dies ist kein Heilungsversprechen!) - wenn man nicht einfach "nach Indikation" verschreibt, sondern auf Basis der individuellen Symptome des Patienten.

 

Das macht man in der Klassischen Homöopathie. Man versucht dabei, das Individuelle, Charakteristische im aktuellen Zustand und auch in der Krankengeschichte des Patienten herauszuarbeiten. Dafür betrachtet man den Patienten ganzheitlich (ein Wort, das ich eigentlich schon recht abgelutscht finde, aber hier passt es) mit all seinen Symptomen, Empfindlichkeiten und Reaktionsweisen. Natürlich dauert es eine Weile, um die Gesamtheit der Symptome und den Patienten, der da vor einem sitzt, ausreichend zu erfassen - das ist oft wie Detektivarbeit. Da bleibt schlicht keine Zeit für eine Akupunktur, eine Ozonbehandlung oder andere Behandlungen - das homöopathische Anamnese-Gespräch, die Untersuchung und das gemeinsame Erforschen der Symptome benötigt einfach die ganze Dauer eines Behandlungstermins.

 

Ebenfalls viel mehr Zeit als in der klinischen Homöopathie braucht es für die Aus- und Weiterbildung eines Klassischen Homöopathen - sie erfordert die ganze Hingabe eines Therapeuten und im Grunde lebenslanges Lernen. Das Erlernen weiterer umfangreicher Therapieformen ist daher nur schwer möglich.

 

Die Klassische Homöopathie braucht also meist deutlich mehr Zeit als die klinische. Doch die Behandlungserfolge, die ich bisher mit Klassischer Homöopathie in meiner eigenen Praxis und in der Praxis einiger Kollegen gesehen habe, lohnen das allemal. Darum mache ich Klassische Homöopathie.


Disclaimer

 

Um Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich Sie auf folgendes aufmerksam machen: Dieser Text gibt meine Erfahrungen in meiner Praxis wieder und stellt keine allgemeine Therapieempfehlung dar. In der Wissenschaft ist Homöopathie bisher nicht als wirksame Therapie anerkannt.

 

Ich habe mich als Homöopath und Diplom-Physiker eingehend mit der wissenschaftlichen Forschung und der Studienlage zur Homöopathie beschäftigt. Die Forschungsergebnisse sind aus physikalischer Sicht hochinteressant, medizinisch jedoch nicht eindeutig - medizinische Studien erbringen leider immer nur Wahrscheinlichkeits-Ergebnisse. Diese Ergebnisse fallen zwar nach meiner Beurteilung zugunsten der Homöopathie aus. Dennoch gilt die Homöopathie weiterhin als reine Erfahrungsmedizin und ist keine allgemein anerkannte Heilmethode im Sinne einer Anerkennung durch die Schulmedizin.

 

Sollten Sie an einer - nach heutigen Standards als wirksam anerkannten - sogenannten schulmedizinischen Therapieform interessiert sein, fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker. Sind Sie an einem erfahrungsmedizinischen Weg interessiert - gerne auch als Ergänzung zu einer schulmedizinischen Therapie -, stehe ich Ihnen mit all meiner Erfahrung und Fachkenntnis gerne zur Seite.