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Fallbeispiel: Reizdarm nach Antibiotika


Holztür eines alten Klohäuschens
(Bildquelle: Pixabay)

Das Reizdarm-Syndrom kann viele Ursachen haben, zum Beispiel chronischen Stress, falsche Ernährung oder eine gestörte Darmflora. Betroffene klagen typischerweise über Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung oder beides im Wechsel, einige auch über Kopfschmerzen und Müdigkeit. Sie sehen: Das sind keine besonders spezifischen Symptome. Sie können auch bei anderen Krankheiten häufig vorkommen. Daher wird die Diagnose "Reizdarm" meist erst dann gestellt, wenn andere Ursachen der Beschwerden ausgeschlossen werden konnten.

In diesem Fall, den ich Ihnen hier kurz vorstellen möchte, ist es recht eindeutig, woher die Beschwerden kommen: Der Student, der hier vor mir sitzt, musste vor etwa sechs Jahren eine Woche lang Antibiotika einnehmen und bekam gegen Ende dieser Woche immer wieder Durchfall. Die Durchfälle dauerten fast 2 Jahre an, er musste in dieser Zeit mindestens 10 mal täglich zur Toilette. Allmählich nahm die Häufigkeit ab - mittlerweile schwankt sie zwischen 1-2 mal und 5-6 mal täglich -, aber normal ist der Zustand immer noch nicht. Blut- und Stuhluntersuchungen haben nichts ergeben, keine Behandlung hat bisher geholfen. Nun will er es homöopathisch versuchen.

Ich will genauer wissen, wie seine Verdauung arbeitet, und er erzählt: Er verdaut nicht besonders gut, hinten kommt es zum Teil unvollständig verdaut oder fettig-schleimig heraus. Wenn er vor Prüfungen etwas isst, bekommt er sofort Durchfall.  Wenn er etwas mehr isst: Durchfall. Wenn er Rohes oder Fettes isst: Durchfall. Wenn er auch nur einen Bissen isst, muss er in jedem Fall nach 15 Minuten dringend auf's Klo. Gleichzeitig muss er viel essen, weil er als Sportler sehr aktiv ist. Dadurch wird für ihn alles zum Stress, denn er muss ständig planen, wie er seine Mahlzeiten, Bus- und Zugfahrten und Termine so legt, dass jederzeit eine Toilette in der Nähe ist.

Zusätzlich hat er Angst, seine Prüfungen nicht zu schaffen. Er macht sich deswegen einen enormen Druck, was ihm mittlerweile nicht nur auf die Verdauung schlägt, sondern auch auf die Stimmung: Er fühlt sich müde und resigniert.

Ich verschreibe dem jungen Mann ein homöopathisches Arzneimittel in Tropfenform, das er täglich einnehmen soll, und vereinbare mit ihm einen Telefontermin nach zwei Wochen.

Am Telefon erzählt er mir dann, dass er am ersten Tag der Tropfeneinnahme eine Bergtour gemacht habe und es ihm dabei mit der Verdauung schon besser gegangen sei. Seitdem habe sich aber nichts mehr verändert. Wir warten ab.

Nach weiteren zwei Wochen ist er wieder bei mir in der Praxis und erzählt: Er verträgt nun Essen gut und fühlt sich wohl. Er hat nur noch 1-2 mal Stuhlgang pro Tag und das sei nun kein Durchfall mehr, sondern ganz normaler Stuhl. Auf fettes Essen und Alkohol bekommt er zwar noch Durchfall, aber das ist schneller vorbei als früher. Nur beim Frühstücken muss er noch aufpassen, dass er nicht zu viel isst. Allerdings hatte er nun immer wieder Ellbogenschmerzen beim Sporteln, die er aber schon von früher kennt. Und er hat vermehrt Pickel im Gesicht.

Wir warten nochmals 6 Wochen ab, er soll das Arzneimittel weiterhin einnehmen.

Beim nächsten Termin ist alles besser: Die Verdauung ist so gut, dass er mittlerweile richtig viel essen kann und dann nur noch ein Völlegefühl verspürt. Die Gelenkschmerzen sind wieder zurückgegangen und treten nur noch bei Überbelastung auf. Und die Haut ist nun auch wieder so wie vorher. Er ist sehr zufrieden.

Die Behandlung hat insgesamt zweieinhalb Monate gedauert.

 


Hinweis:

Dieser Fallbericht gibt die reale Erfahrung eines Patienten in meiner Praxis wieder und stellt keine allgemeine Therapieempfehlung dar. In der Wissenschaft ist Homöopathie bisher nicht als wirksame Therapie anerkannt. Bitte hier weiterlesen...