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Patient mit stechenden Rückenschmerzen


Rundes grünes Piktogrammm mit weißer Figur mit Rückenschmerz
(Bildquelle: Pixabay)

Ein Mann um die 30 betritt mein Behandlungszimmer. Er schüttelt mir auf sehr förmliche Art die Hand und macht generell einen sehr korrekten, fast etwas steifen Eindruck. Auch nachdem er sich gesetzt hat, wirkt seine Haltung sehr steif.

 

Er berichtet, dass er seit Monaten an sehr starken Rückenschmerzen leidet: Die Schmerzen kommen plötzlich und sind stechend, ähnlich wie bei einem Hexenschuss. Das Zentrum der Schmerzen sitzt im unteren Rücken, ausstrahlend ins Becken und bis in die unteren Rippen. Besonders weh tut es, wenn er sich bückt oder den Rücken nach hinten überstreckt.

 

 

Sein Arzt war sich wegen der Ursache nicht sicher gewesen, wahrscheinlich handele es sich um eine Entzündung der Rückenmuskulatur. Er bekam Physiotherapie verordnet, die aber bisher nichts gebracht hatte. Schmerzmittel oder Entzündungshemmer nahm er nicht.

 

Er berichtet noch von weiteren Beschwerden: Sein Fußknöchel knackt immer wieder recht laut. In der linken Leiste hat er hin und wieder Schmerzen, nicht stark, aber doch unangenehm. Wenn er sich schnell umdreht, hat er einen Schwindel, der ihn kurz taumeln lässt. Seine Sehnen scheinen recht anfällig zu sein, denn er hatte schon mehrere Bänderrisse. Wenn er sich schneuzt, kommt oft etwas Blut aus der Nase.

 

Ich habe schon eine Vermutung, welches Arzneimittel ihm helfen könnte, möchte aber noch mehr über ihn wissen. Also frage ich ihn, was er denn für ein Mensch sei. Er erzählt recht offen: Ihm ist wichtig, dass alles seine Ordnung hat und korrekt erledigt wird. Deswegen ist er bei seinen Arbeitskollegen nicht besonders beliebt, denn er neigt dazu, allzu ehrlich und direkt zu sein und mit seiner direkten Kritik die Kollegen gelegentlich vor den Kopf zu stoßen. Aber die müssten ja nur ihre Arbeit ordentlich machen, dann gäbe es auch keinen Grund dafür, sie zu kritisieren.

 

Ich gebe ihm drei Globuli eines homöopathisches Arzneimittels in der Potenz C30 und wir vereinbaren einen Folgetermin in sechs Wochen.

 

Nach diesen sechs Wochen sitzt er wieder vor mir und wirkt recht mürrisch. Ich frage ihn, ob sich denn die Beschwerden nicht gebessert hätten. Doch, doch, sagt er, schon bald nach der Einnahme ist alles besser geworden. Die Rückenschmerzen sind komplett verschwunden. Aber er ist der Ansicht, dass diese Besserung nicht vom homöopathischen Arzneimittel herrühren kann, denn eigentlich glaubt er an sowas wie Homöopathie gar nicht.

 

Er steht auf, verabschiedet sich recht knapp und geht. Und ich frage mich, was ihn überhaupt dazu gebracht hat, es mit Homöopathie zu versuchen. Wie gut, dass Homöopathie nicht vom Glauben der Patienten abhängt.


Hinweis:

Dieser Fallbericht gibt die reale Erfahrung eines Patienten in meiner Praxis wieder und stellt keine allgemeine Therapieempfehlung dar. In der Wissenschaft ist Homöopathie bisher nicht als wirksame Therapie anerkannt. Bitte hier weiterlesen...