Gedanken aus der Praxis (1)
Als ich in der Homöopathie noch ein Anfänger war, sagte mein erfahrener Kollege Tjado Galic einmal zu mir: "Markus, am Anfang schenkt dir die Homöopathie ein paar schöne Erfolge. Und dann schickt sie dich für 10 Jahre in die Wüste."
Er hatte Recht.
Eine harte Zeit
Doch mit der Zeit kamen immer mehr Fälle, die für mich schwierig zu lösen waren. Oder auch gar nicht. Es waren nicht die heftigen Krankheiten, die mir Schwierigkeiten bereiteten, sondern gerade die häufigeren Erkrankungen wie chronische Sinusitis, Heuschnupfen oder Migräne. Meine Frustration nahm zu und ich fragte mich, ob ich für diesen Beruf überhaupt tauge.
Mein einziger Trost war, dass auch andere Kollegen dieses "Ich bin der schlechteste Homöopath der Welt"-Gefühl kennen.
Es blieb jahrelang zäh: Ich war zwar tatsächlich nicht schlecht und ich hatte zufriedene Patienten. Aber es gab für meinen Geschmack zu viele Patienten, denen ich nicht helfen konnte. Also suchte
ich nach einer Lösung.
Ich absolvierte mehr Fortbildungen. Und zwar nicht nur in den Methoden, die ich bis dahin hauptsächlich praktizierte (Klassische Homöopathie und Predictive Homoeopathy). Ich suchte nach
zusätzlichen homöopathischen Methoden, die mir und meinen Patienten verlässlicher gute Ergebnisse bescherten.
Ich wanderte suchend durch "meine" Wüste, in die mich die Homöopathie geschickt hatte.
Der Weg heraus aus der Wüste
Das Schicksal schenkte mir Begegnungen mit Kollegen, die mich auf die richtige Spur brachten: Rolf Hinderer, Dr. Norbert Winter, Jürgen Wiering, Dr. Jens Ahlbrecht, Elmar Funk, Dr. med. Christoph Tils - sie wurden meine Impulsgeber und meine Lehrer in einer Homöopathie, die bis vor 100 Jahren erfolgreich praktiziert wurde und heutzutage wiederentdeckt wird. Ich studierte die Homöopathie nach G.H.G. Jahr und die Homöopathie nach C.M. Boger.
Ich begann, homöopathische Literatur des 19. Jahrhunderts zu lesen - Jahr, Bähr, Hirschel, Nash, Hoyne und andere. Mich faszinierte, dass diese Meister-Homöopathen des 19. Jahrhunderts Fälle mit teils schweren Krankheiten beschrieben, die sie ausschließlich mit Homöopathie behandelten – lange bevor Antibiotika, Entzündungshemmer oder andere moderne Medikamente verfügbar waren. Ich wollte verstehen, wie sie dachten und arbeiteten. Für mich waren das Lehrstunden aus der Blütezeit der Homöopathie.
Es war für mich eine lehrreiche, aber auch eine anstrengende Zeit.
Dankbarkeit
Das Lernen geht weiter. Ich habe das Gefühl, dass ich diese Wüste hinter mir gelassen habe und in fruchtbarem Gebiet - meiner heutigen Arbeitsweise - angekommen bin. Es hat nicht ganz 10 Jahre gedauert.
All die Bücher, Seminare und Supervisionsstunden haben mich und meine Art zu arbeiten geprägt. Ich habe dadurch deutlich mehr Möglichkeiten bekommen, an schwierige Fälle heranzugehen. Und für
mich persönlich mit am wichtigsten: Der Frust ist verschwunden und mein Beruf macht mir Freude!
Die Lehrzeit in der Wüste war hart, aber wichtig. Der amerikanische Marketing-Experte Seth Godin nennt die Wüste "The Dip": Das Tal, das man durchwandern muss, bevor man in seinem Fachgebiet gut
wird.
Die Wüste fordert viel von einem und die Versuchung ist groß, aufzugeben und einen leichteren, angenehmeren Berufsweg zu wählen. Aber ich denke, dass das für jeden Beruf gilt: Diejenigen, die die
Wüste bewältigen und dranbleiben, sind diejenigen, die in ihrem Fach gut werden.
Die Wüste trennt die Amateure von den Profis.
Heute bin ich meinem Kollegen dankbar, dass er mir die Wüste angekündigt hatte. Ich wusste, dass sie kommen würde, habe durchgehalten und bin dadurch zu dem Homöopathen geworden, der ich heute
bin.
Autor: Markus Dankesreiter, Heilpraktiker in
Regensburg & Diplom-Physiker
Spezialisiert auf Klassische Homöopathie, Genuine Homöopathie, Predictive Homoeopathy
Zertifiziert bei der Stiftung für
Qualität in der homöopathischen Therapie SQhT (früher: Stiftung Homöopathie-Zertifikat SHZ)
Praxis seit 2012
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