Wie verläuft eine homöopathische Behandlung?

In der Klassischen Homöopathie zielt man mit der Gabe eines Arzneimittels darauf ab, im Körper des Patienten einen Prozess anzuregen, der zur Linderung der Beschwerden oder zur Selbstheilung führt. Je genauer das Arzneimittel zu den Beschwerden und zur Funktionsweise des ganzen Organismus passt, umso eher gelingt das nach meiner Erfahrung. Das bedeutet, dass ich bei einer homöopathischen Behandlung grundsätzlich anders vorgehe als es z.B. ein Schulmediziner tut: ich nehme mir viel Zeit, betrachte die Beschwerden im Gesamtzusammenhang und versuche ein Arzneimittel zu finden, das möglichst genau auf diesen einen Menschen passt, der da vor mir sitzt.

 


Behandlung chronischer Beschwerden

Am Anfang steht ein Gespräch (die sog. Erst-Anamnese), das bei chronischen Beschwerden meist zwei Stunden dauert, manchmal auch länger. Dabei lasse ich mir von Patienten die aktuellen Symptome möglichst genau berichten, um mir erst einmal ein Bild vom momentanen Zustand zu machen. Eine körperliche Untersuchtung und evtl. vorhandene ärztliche Untersuchungsbefunde sind dazu hilfreich. Darüber hinaus frage ich noch nach anderen Dingen:

  • Begleiterscheinungen der Symptome (z.B. "Seit ich diese Hitzewallungen habe, bin ich immer so gereizt" oder "Kurz bevor die rheumatischen Beschwerden losgingen, begann ich nachts immer Angst zu bekommen, dass jemand bei uns einbricht. Das habe ich immer noch.")
  • Die möglichst komplette Krankengeschichte, von der Geburt bis jetzt
  • Die Lebenssituation - Familie, Arbeit, Belastungen
  • Krankheiten in der Familie
  • Vorlieben und Abneigungen
  • Andere persönlichen Eigenschaften

So kann ich verstehen, was dieser Mensch an Belastungen erlebt, wie er "tickt" und was seine Besonderheiten sind. Manchmal ergeben sich im Gespräch Lösungsansätze, mit denen ein Patient seine Lebenssituation etwas verbessern kann, sodass sich Beschwerden dadurch verringern lassen. Aber meist erfordern die Beschwerden ein Arzneimittel.

 

Dazu analysiere ich das, was ich vom Patienten erfahren habe, und wähle ein möglichst passendes homöopathisches Arzneimittel.

 

Nach der Einnahme des Mittels warten wir in den meisten Fällen etwa vier Wochen ab, um dem Körper Zeit zu geben, auf das Mittel zu reagieren. Bei bestimmten Krankheiten können kürzere Zeitabstände sinnvoll sein. Nach dieser Zeit wird gemeinsam besprochen, was sich seitdem getan hat: Haben sich die Beschwerden positiv entwickelt, so können wir bei diesem Mittel bleiben. War die Reaktion nicht so wie gewünscht, wähle ich ein alternatives Arzneimittel aus. Wenn sich die Beschwerden so weit zurückentwickelt haben, dass der Patient damit zufrieden ist, oder sobald eine Heilung eingetreten ist, wird die Behandlung beendet. Gerne vereinbare ich einen Nachsorge-Termin, um die Entwicklung noch eine Weile im Auge zu behalten.

 


Behandlung akuter Krankheiten

Bei akuten Krankheiten stehen die aktuellen Symptome im Vordergrund, die Krankengeschichte und andere Hintergrundinformationen sind hier meist weniger bedeutsam. Deshalb fällt hierzu das Anamnese-Gespräch deutlich kürzer aus, etwa 30-60 Minuten.

 

Anhand der aktuellen Symptome wähle ich ein Arzneimittel aus, das möglichst alle Beschwerden gut abdeckt. Die Einnahme erfolgt nach Absprache in Form von Globuli oder flüssig, ggf. auch mehrmals.

 

Die Zeit bis zu einer Beurteilung der Arznei-Wirkung hängt natürlich stark von den Beschwerden ab und wie schnell eine Verbesserung erwartet werden kann. Bei grippalen Infekten z.B. bespreche ich mit meinen Patienten nach ungefähr zwei Tagen, ob sich die Symptome deutlich gebessert haben. Wenn nicht, muss ein neues Arzneimittel gefunden werden.

 

Bei akuten Krankheiten ist mir besonders wichtig: Nicht jede lästige, aber ungefährliche Erkrankung benötigt ein Arzneimittel! Wir sollten wieder lernen, unserem Körper zuzutrauen, dass er diese Erkrankung selbst heilen kann. Bei einer Erkältung etwa hilft es meist, dass wir uns viel Ruhe und Schlaf zugestehen, viel trinken und den Bedürfnissen unseres Körpers nachgeben  - dazu brauchen wir meist weder Ibuprofen noch Globuli. Nur wenn die Umstände eine Ruhezeit tatsächlich nicht zulassen oder die Beschwerden sehr stark sind, sollten wir unseren Körper mit Arzneimitteln - schulmedizinisch oder homöopathisch - unterstützen.